2026 – Jul – Fünf Nächte unter dem Zeichen von Feuer, Frost
2026 – Jul – Fünf Nächte unter dem Zeichen von Feuer, Frost

2026 – Jul – Fünf Nächte unter dem Zeichen von Feuer, Frost

Entschuldigt die verspätete Eintragung in die Chroniken – doch unser Chronist fand im Januar keine Muße, da ihm die notwendigen inspirierenden Getränke fehlten. So wird dieser Eintrag erst heute niedergeschrieben, da der Schreiberling wieder verstandserweiternde Substanzen zu sich nimmt und die Erinnerungen an jene Tage mit neuer Klarheit durch den Schädel hallen.

Und auch sei an dieser Stelle jenen kundgetan, die sich wundern mögen, warum Jul bei uns nicht im Dezember, sondern erst zu Beginn des neuen Jahres gefeiert wird:
Denn es ist mythologisch korrekt, das Julfest nicht zur Wintersonnenwende selbst, nicht am 24. Tage des zwölften Mondes und schon gar nicht nach christlicher Zählung zu begehen.
Nach altem Brauch wird Jul am ersten Vollmond nach der Wintersonnenwende gefeiert – wenn das Licht zwar noch schwach, aber bereits wieder im Wachsen begriffen ist. Erst dann gilt der Neubeginn als vollzogen, erst dann sind Opfer, Schwüre und Rituale wahrhaft im Einklang mit dem Lauf der Welt und dem Willen der Götter.

So kam es, dass die Vagabunden Renis ihr Jul vom 31. Tage des letzten Mondes bis zum 4. Tage des neuen Jahres begingen – und das gleich über fünf Tage, da sich das heilige Fest mit dem weltlichen Silvester verband.
Und was in diesen Tagen geschah, soll nun festgehalten werden.

Mittwoch – Silvester

Schon am letzten Tage des alten Jahres wurde aufgebaut, geschleppt, gezurrt und vorbereitet. Gefeiert wurde teils im Hause, teils in der Jurte, und bald schon lag der Duft von Speis und Rauch in der Luft.
Tnorsten kredenzte seine legendäre Bacon Bomb, während der Jarl selbst die Kartoffelhähnchen aus dem Dutch auftischte – ein Mahl, das dem Jahreswechsel würdig war.
Doch noch ehe das neue Jahr richtig begonnen hatte, nahm alles einen blasphemischen Anfang:
Denn Tipi hatte seinen Armreif verloren. Von Reue geplagt kam er, kroch auf Knien zum Jarl und bat um Vergebung. Der Jarl jedoch sprach mit ernster Stimme:
„Deine Strafe wird kommen – dem sei gewiss.“
So war der Ton gesetzt.

Donnerstag – Neujahr

Der erste Tag des neuen Jahres wurde ruhig und besonnen begangen. Die Sippe widmete sich dem Saunieren, dem Eisbaden und natürlich dem Zuber, wie es sich für gestählte Seelen gehört.
Zur Stärkung gab es Spaghetti olio e aglio, bereitet von Tipi – schlicht, ehrlich und genau richtig, um Körper und Geist wieder zusammenzufügen.

Freitag – Vorabend des Jul

Am Vorabend des heiligen Festes erhielt die Gemeinschaft Besuch von ihrem Lieblingswirt:
Odin aus Odins Schenke beehrte die Vagabunden mit seiner Anwesenheit – und mit ihm zog eine Stimmung ein, die ganze Nächte verschluckt.
Kulinarisch wurde Großes geboten:
Tipis Lammkeule
Tnorstens Shepherd’s Pie
Üweys Pilznudeln

Der Abend wurde lang und feucht. Man merkte: Das Jahr sollte feucht beginnen.
Unsere Männer gaben alles, als gelte es, den Göttern zu beweisen, dass 2026 ohne Schwäche starten würde.
Die Nacht war kurz.

Samstag – Jul

Der Jarl lag noch spät im Bett, als die Völva mit schneidender Stimme verkündete:
„Das Jurtendach liegt!“
Schlagartig wach fluchte der Jarl wie ein Kesselflicker und forderte, Tipi solle ebenfalls geweckt werden – es bedürfe Hilfe.
Nachdem Tipi dieselben Worte vernommen hatte, begann auch er zu fluchen und begab sich eilends zur Jurte.
Dort zeigte sich: Die Seilspannung des Daches hatte sich gelöst.
Zum Glück war nichts Ernstes geschehen – ein Zeichen, dass die Götter zwar prüften, aber schützten.
Das Ritual

Das Julritual wurde in diesem Jahr gehalten von Völva Alva und dem neuen Goden Tipi.
Es war kraftvoll, würdig und tiefgehend. Wieder wurden Dinge dem Feuer übergeben, die wir hinter uns lassen wollten – oder von denen wir zumindest hofften, sie endlich loszulassen.
Doch auch freudige Ereignisse fanden ihren Weg in die Flammen. Denn wer an Beltane seine Ziele auf Holz festhält, darf diese Scheibe an Jul bei erfolgreichem Abschluss verbrennen.
So rührte Arne die Gemeinschaft zu Tränen, als er seine Holzscheibe, die er seit Jahren getragen hatte, dem Feuer übergab, mit den Worten:
„Ich hätte es fast nicht mehr geglaubt, doch es wurde geschafft.
Und das Resultat seht ihr hier bei Rochri auf dem Arme – unser Thore Arneson.“
Auch Björn Bärchen, unser Gast aus dem Norden, stach hervor. Er schwor den Göttern, dass er erreichen werde, woran andere gescheitert waren, und bat um ihre Kraft. Dabei goss er Kirschmet über seinen Dolch und trank den Rest in einem Zug.
Doch es war kein Met – es waren die Säfte des Fleisches, als Symbol des Blutes.

Die Worte des Jarls

Der Jarl sprach von großen Ereignissen, die dieses Jahr bringen werde. Anders als im vergangenen Jahr hatte er gelernt und sprach wieder kriegerisch, zum Wohlwollen der Götter.
Er verkündete:

Zu Beltane wird es das große Fest geben: die Hochzeit des Jarls und der Völva.
Doch neben einem Fest der Liebe wird es auch einen Kampf zwischen Jarl und Völva geben.
Es wird das Fest der Hunderten.

Zum christlichen Happy Kadaver wird man die Vagabunden erneut in Gütersloh auf dem Anno 1280 sehen.
Einen Monat später folgt das Heimspiel: das Salinenfest am Gradierwerk in Rheine.
Den Abschluss der sommerlichen Marktsaison bildet wie immer die Schlacht von Nordendi auf der Drachenwiese in Norddeich.

Zu essen gab es:
Haldors berühmte Peka
Arnes Braumeistertopf
und Tralujas Wirsingeintopf aus dem Dutch

Sonntag – Abbau

Am Sonntag wurde abgebaut. Müde Glieder, kalte Finger, aber zufriedene Gesichter begleiteten das Ende des Festes. Die Jurte wurde bezwungen, die Feuer gelöscht, und die Sippe trat den Rückzug an – reich an Erinnerungen.

Das Wochenende des Thorben
Dieses Jul jedoch wird besonders als das Wochenende des Thorben in Erinnerung bleiben.
Denn Thorben:
schlief als Einziger draußen im Zelt, bei klirrender Kälte und Schnee,
testete das Saunazelt,
stieg ins Eisbad bei 0 Grad,
und schlug schließlich alle im Hnefatafl.
So sei es festgehalten in der Chronik:
Thorben bezwang Frost, Feuer und Spiel zugleich.

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